| Der
Spix-Ara ist keiner von den ganz grossen und auch von der
Färbung her ist er weniger prächtig, als mancher andere
Ara. Und trotzdem ist er etwas ganz besonderes und man kann ohne
Übertreibung sagen, dass sich die Augen der Papageienliebhaber
auf der ganzen Welt auf diese Spezies richten.
Zahlreiche
Fernseh-Berichte sind über die Art erschienen - sogar einen
Kinofilm hat man über den Spix-Ara gemacht - und mancher
Prominente hat sich schon auf den Weg gemacht, um vor Ort etwas
über die Tiere zu erfahren. Vielleicht ja aber auch nur,
um vom (zweifelhaften) Ruhm der Vögel zu profitieren . .
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Der Spix-Ara
(Cyanopsitta spixii) gilt vielen als der seltenste Vogel der
Welt. In freier Wildbahn ist er wohl seit Beginn des neuen
Jahrtausends ausgestorben. In Menschenobhut befinden sich aktuell
(2011) knapp 90 Tiere, von denen 76 Teil des internationalen Zuchtprogrammes
dieser Art sind. (Zahlen nach Angaben der AWWP und eigene Recherche).
Warum
eigentlich Spix-Ara?
Johann
Baptist von Spix war ein deutscher Naturwissenschaftler.
Zwischen 1817 und 1820 reiste Spix durch das Innere Brasiliens.
Von dieser Expedition brachte er eine Sammlung von 6.500
Pflanzen, 2.700 Insekten, 85 Säugetieren, 350 Vögeln,
150 Amphibien und 116 Fischen nach Deutschland zurück;
u.a. das sog. Typ-Muster des blauen Aras, also das Exemplar,
dessen Beschreibung zur Beschreibung der gesamten Art
genommen wurde.
Erstmals
wissenschaftlich beschrieben wurde der Vogel nach dem
vorliegenden Typ-Muster dann 1832 (also nach dem Tod von
Spix) von Johann Wagler, einem Schüler von Spix.
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Möglicherweise
sind es tatsächlich ein paar mehr als 90, denn der Verbleib
einiger Exemplare ist nicht geklärt und es ist auch möglich,
dass es irgendwo verrückte Papageienliebhaber gibt, die die
Vögel nur für sich selbst haben wollen und an Artenschutz
nicht interessiert sind. Solche Voyeure gibt es schliesslich auch
bei wertvollen Gemälden und sie sind auch von anderen Tierarten
her bekannt.
Um die Jahrtausendwende
herum gab es unwürdige Streitereien zwischen einigen Haltern
der seltenen Vögel. Allerdings ist es nicht Aufgabe dieser
WebSite, die ganze z.T. recht unangenehme Geschichte aufzuwärmen
- schön, dass es damit wohl vorbei ist. Fakt ist, dass es
seit 2004 eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen den wenigen
Haltern dieser möglicherweise seltensten Vogelart der Welt
gibt.
Mittlerweile
wurden fast 3000 Hektar Land im Bereich des ehemaligen
Siedlungsgebiets erworben, von dem aus eines Tages die Wiedereinbürgerung
der Art in Brasilien erfolgen soll. Das hört sich viel an,
ist bei genauerer Betrachtung aber nur eine winzige Fläche.
Allerdings wird es wohl noch viele Jahre dauern, bis eine Auswilderung
der ersten Spix-Aras erfolgen kann; es kann also noch viel passieren.
Die 76 Zucht-Vögel,
auf die die gesamte Menschheit insofern zurückgreifen kann,
als sie registriert und ihr Aufenthaltsort bekannt ist, leben
bei nur 5 Haltern, die über die ganze Welt verstreut sind.
Die grösste Gruppe - immerhin 56 Tiere! - wird von Scheich
Saoud Bin Mohd. Bin Ali Al Thani gehalten. Er gehört zur
Herrscherfamilie von Katar (Qatar), einem nicht einmal
12.000 km² grossen Scheichtum am Persischen Golf (gut dreimal
so gross, wie Mallorca). Der Scheich unterhält dort die Al
Wabra Wildlife Preservation (AWWP), wo auch das internationale
Zuchtbuch für den Spix-Ara geführt wird.
Bei den meisten
dieser Tiere soll es sich um Nachzuchten aus Menschenobhut handeln,
die sich nun ihrerseits wieder fortpflanzen. Der Verfasser beobachtet
deshalb mit Skepsis, dass wohl immer noch alle geschlüpften
Spix-Aras von Hand aufgezogen werden (s. dazu unseren Beitrag
über Handaufzuchten). Natürlich ist nicht zu
übersehen, dass die Zahl der insgesamt existierenden Spix-Aras
immer noch extrem klein ist, aber es kann keinen Zweifel geben:
Solange sich die Vögel nicht selbst reproduzieren können,
kann von einem wirklichen Erfolg bei der Vermehrung noch keine
Rede sein!
Allerdings
werden die handaufgezogenen Exemplare so bald wie möglich
zu artgleichen Sozialisierungspartnern gesetzt - sofern
ein solcher zur Verfügung steht. Zumindest der Loro-Park
auf Teneriffa macht das so; ob diese Praxis für alle Jungtiere
bei allen Haltern gilt, ist dem Verfassr nicht bekannt.
Ein weiteres
Problem ist die Konzentration von mehr als dreiviertel
des Weltbestandes in dem Wüstenstaat Qatar. Sicherlich hat
das einige Vorteile: Man kann die Zuchtpaare zusammenstellen,
ohne dass die Vögel Tausende von Kilometern bewegt werden
müssen und - ein ganz wichtiger Faktor - das Geld geht nicht
so schnell aus.
Aber es gibt
natürlich auch grosse Nebenwirkungen: Was ist beim Ausbruch
einer Seuche? Was passiert, wenn der Scheich vielleicht nicht
mehr ist? Oder vielleicht kein Scheich mehr? Die Lage in Nordafrika
ist unsicher und auch die Scheichtümer im Nahen Osten können
davon betroffen werden.
Die restlichen
Spix-Aras verteilen sich auf den Loro Parque auf Teneriffa
(Kanarische Inseln), die Lymington Foundation in Sao Paulo
(Brasilien), den Zoo von Sao Paulo und einen kleinen Halter
in - Deutschland. Diese Anlage bei Berlin, die unter der schönen
Bezeichnung Association for the Conservation of Threatened
Parrots (ACTP) firmiert, könnte bei der Rettung von Cyanopsitta
spixii noch eine ganz wichtige Rolle spielen. Immerhin sind dort
in den wenigen Jahren, in denen dort Spix-Aras gehalten werden,
schon 3 Jungtiere geschlüpft, zwei davon im Januar 2011.
Im Weltvogelpark
Walsrode gibt es aktuell keine Spix-Aras mehr.
Der Spix-Ara
erreicht eine Körpergröße von etwa 56 cm, die Gefiedergrundfarbe
ist matt-blau, am Rücken und an der Schwanzoberseite ist das Blau
kräftig. Die Weibchen sind etwas kleiner und leichter, als die
Männchen. Der Unterschied ist aber zu gering für eine
sichere Bestimmung; grosse Weibchen können durchaus so gross
sein, wie kleine Männchen. Unterschiede in der Färbung
(Geschlechtsdimorphismus) gibt es nicht; Jungvögel sind in
den ersten beiden Lebensjahren als solche zu erkennen.
Caraibeira
(Tabebuia caraiba)
Wichtige Leitpflanze für den Spix-Ara
Der
Paratudo, wie er in der Landessprache genannt wird
(eine deutsche Bezeichnung ist uns nicht bekannt) ist
in Brasilien ein häufiger Baum von bis zu 20 m Höhe.
Im August und September sind die Bäume über
und über mit gelben Blüten bedeckt. Die Menschen
in der Region kauen die Rinde des Baumes gegen Magen-
und Leberleiden, Gelbsucht, Würmer, Diabetes, Fieber und
Malaria – die gerösteten Blätter werden als Tee aufgebrüht.
Der
Baum ist auch in Florida bekannt und zwar als Silver
Trumpet Tree.
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Das Verbreitungsgebiet
des Spixaras lag in drei geografisch getrennten Gebieten in Brasilien:
in Nordost-Brasilien, Nordost-Bahia und im südlichsten Teil von
Maranhao. Hier lebte er in der Regel in der Nähe von Flüssen und
kleinen Wasserläufen. Die Art scheint sehr an Wald mit Beständen
von Caraibeira (Tabebuia caraiba) gebunden zu sein; diese Pflanze
soll nicht nur Bruthöhlen geboten haben, sondern auch Schutz und
Nahrung.
Zur Haltung
des Spix-Aras wollen wir hier nichts schreiben: Es gibt keine
Möglichkeit, diesen in freier Wildbahn ausgestorbenen Vogel
zu halten. Es ist absolut unseriös, wenn es Seiten im Internet
gibt, die sich laienhaft über die Gehegegrösse und die
Ernährung der Tiere in Menschenobhut verbreiten. Dank der
Freilandbeobachtungen am letzten freilebenden Spix-Ara sind die
am Zuchtprogramm beteiligten Einrichtungen zumindest über
die Futterpflanzen recht gut informiert.
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