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Fragen und antworten durch Gesetze

Über die einzelnen Gesetze und Verordnungen

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Einige der Verordnungen und Gesetze stellen wir hier in Kurzfassung vor. Der Verfasser weiss, dass sich das alles sehr kompliziert anhört (die Originaltexte sind noch viel undurchsichtiger!). Letztlich ist das aber alles gar nicht so schlimm; lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen, wenn Sie wirklich und ernsthaft an der Haltung von Papageien interessiert sind.

Das Washingtoner Abkommen (WA, CITES)

  • Das Abkommen enthält drei Anhänge. Alle Bestimmungen des WA werden durch die als nächstes folgende EG-Verordnung konkretisiert und z.T. verschärft. Sie brauchen sich als Papageienhalter insofern nur um die EG-Verordnung zu kümmern:
  • Anhang I: Er listet die unmittelbar bedrohten Arten auf und verbietet den Handel mit diesen.
  • Anhang II: Hier sind die überall schutzbedürftigen Arten aufgeführt; für diese Arten sind Aus- und Einfuhrgenehmigungen sowie der Nachweis über die Unschädlichkeit für den Bestand notwendig.
  • Anhang III: Dieser enthält alle Tier- und Pflanzenarten, für die in einzelnen Ländern besondere Bestimmungen gelten. Für Papageienliebhaber in Deutschland sind diese Vorschriften ohne Bedeutung.

Das Washingtoner Abkommen wird in EU-Recht umgesetzt und konkretisiert durch

Die EG-Verordnung Nr. 338/97 (Artenschutzverordnung) von 1984

In dieser werden die Anhänge mit A bis D bezeichnet.

  • Anhang A enthält die Arten, die auf Grund der Bedrohung ihrer Populationen unter den höchsten Schutz gestellt sind. Die Ein- und Ausfuhr in die und aus der Europäischen Union ist streng reglementiert und erfordert die vorherige Genehmigung einer Artenschutzbehörde eines EU-Mitgliedstaates. Innerhalb der EU unterliegt der Besitz und Handel einschränkenden Bestimmungen. Jeder Kauf oder Verkauf muss grundsätzlich vorher durch die jeweiligen Artenschutzbehörden genehmigt werden. Auch der Besitzer von Exemplaren dieser Arten muss nachweisen können, dass er diese rechtmäßig erworben hat. Beispiele sind Taubenhalsamazone, Hyazinthara, Hellroter Ara
  • Anhang B enthält die Arten, die auf Grund ihrer Gefährdung unter besonderen Schutz gestellt sind. Die Ein- und Ausfuhr in die und aus der Europäischen Union ist reglementiert und erfordert grundsätzlich die vorherige Genehmigung einer Artenschutzbehörde eines EU-Mitgliedstaates. Die Ein- bzw. Ausfuhr von toten Exemplaren zum persönlichen Gebrauch erfordert in der Regel Genehmigungen des Herkunftslandes. Innerhalb der EU unterliegt der Besitz und Handel einschränkenden Bestimmungen. Bei Kauf, Verkauf oder Besitz muss der Erwerber bzw. Eigentümer grundsätzlich nachweisen können, dass er die Exemplare rechtmäßig erworben hat. Beispiele sind: Gelbbrust-Ara, Dunkelroter Ara, Gelbscheitelamazone. Anhang B enthält alle Papageienarten ausser außer Rosenköpfchen, Wellensittich, Nymphensittich und Halsbandsittich!
  • Anhang C und D sind für die Papageienhaltung ohne Bedeutung

Oder noch mal in anderer Formulierung:

Die Exemplare der in den Anhängen A und B der EU-Verordnung genannten Arten unterliegen eigentlich einem EU-weit einheitlichen Vermarktungsverbot, aber mit folgenden einschränkungen:

  • Arten des Anhangs A dürfen grundsätzlich nur vermarktet werden, wenn die zuständige Behörde diese Vermarktung ausdrücklich durch Erteilung einer Ausnahme vom Vermarktungsverbot erlaubt hat.
  • Arten des Anhangs B dürfen vermarktet werden, wenn nachgewiesen werden kann, dass die Tiere und Pflanzen rechtmäßig in die EU eingeführt oder rechtmäßig in der EU erworben wurden.

Den Schutzstatus der einzelnen Arten können Sie über das Wissenschaftliche Informationssystem für den internationalen Artenschutz (WISIA) abrufen und zwar schnell und übersichtlich unter www.wisia.de, dort auf den Punkt "Recherche", den Artnamen eingeben (wissenschaftlich oder deutsch), die voreingestellten Optionen so lassen und Suche starten. Dieser Service des Bundesamtes für Naturschutz funktioniert wirklich gut.

Zu diesen internationalen Regelungen sind im Bundesnaturschutzgesetz und in der Bundesartenschutzverordnung Durchführungsvorschriften sowie Schutzbestimmungen enthalten, die z.T. über die internationalen Regelungen hinausgehen:

Das BundesNaturschutzGesetz (BNatSchG)

Wenn man ausserhalb von Wohn- und Geschäftsräumen Tiere (auch privat) halten will, greifen die Bestimmungen des § 43 des BundesNaturschutzGesetzes (BNatSchG):

§ 43 Tiergehege

(1) Tiergehege sind dauerhafte Einrichtungen, in denen Tiere wild lebender Arten außerhalb von Wohn- und Geschäftsgebäuden während eines Zeitraums von mindestens sieben Tagen im Jahr gehalten werden und die kein Zoo im Sinne des § 42 Absatz 1 sind. Das bedeutet, dass jede Voliere, in der Papageien gehalten werden, ein Tiergehege im Sinne des Gesetzes ist.

(2) Tiergehege sind so zu errichten und zu betreiben, dass die sich aus § 42 Absatz 3 Nummer 1 bis 4 ergebenden Anforderungen eingehalten werden (die anderen Ziffern sind für die private Papageienhaltung weniger wichtig) Diese sich aus § 42 Absatz 3 Nummer 1 bis 4 ergebenden Anforderungen sind:

  • 1. bei der Haltung der Tiere den biologischen und den Erhaltungsbedürfnissen der jeweiligen Art Rechnung getragen wird, insbesondere die jeweiligen Gehege nach Lage, Größe und Gestaltung und innerer Einrichtung art- und tiergerecht ausgestaltet sind
  • 2. die Pflege der Tiere auf der Grundlage eines dem Stand der guten veterinärmedizinischen Praxis entsprechenden schriftlichen Programms zur tiermedizinischen Vorbeugung und Behandlung sowie zur Ernährung erfolgt
  • 3. dem Eindringen von Schadorganismen sowie dem Entweichen der Tiere vorgebeugt wird
  • 4. die Vorschriften des Tier- und Artenschutzes beachtet werden

Die Vorschriften des Artenschutzes werden durch Washingtoner Abkommen und EG-Verordnung sowieso schon definiert, die veterinärmedizinischen Anforderungen dürften auch zu erfüllen sein. Das Entweichen der Tiere ist für den Gesetzgeber u.a. deshalb von so grossem Interesse, weil das Gesetz auch die Haltung von Tieren regelt, die sehr unerwünscht sind, wenn sie ausbrechen und sich in freier Wildbahn vermehren. Beispiele, wo das nicht verhindert wurde, sind u.a. Waschbär und Marderhund. In der Praxis wird der Punkt 3 für Papageienhalter keine sehr grosse Rolle spielen.

Der Knackpunkt ist der erste Punkt, die Lage, Grösse, Gestaltung und Einrichtung der Gehege. Gerade dieser Punkt aber unterliegt der Regelung auf Landesebene (s.weiter unten).

Das BundesartenschutzGesetz (BArtSchG)

Die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) in ihrer Fassung vom 16. Februar 2005

setzt die EG-Verordnung in nationales Recht um. Die Papageienhalter und -züchter müssen sich vor allem merken:

  • Der Besitz und die Vermarktung dieser Arten ist in Deutschland grundsätzlich zulässig, wenn die Exemplare legal in der EU gezüchtet wurden.
  • Nach § 7 Abs. 2 unterliegen Sie aufwendigen Anzeigepflichten bezüglich Ihrer Papageien. Von diesen Anzeigepflichten sind allerdings zahlreiche häufige und regelmässig gezüchtete Arten ausgenommen (41 Arten, die im Anhang 5 der Bundesartenschutzverordnung aufgeführt werden; auf papageien.biz finden Sie diese Liste hier)

Die einzelnen Landesnaturschutzgesetze

können vom Bundesnaturschutzgesetz abweichen. Soweit der Verfasser informiert ist, gibt es aber für die Papageienhaltung keine Unterschiede.

Eventuell abweichende Bestimmungen Ihres Bundeslandes zu den Bestimmungen über Tiergehege.

Für kleinere Privathaltungen gelten u.U. Länderregelungen, die die Haltung möglicherweise erleichtern, weil sie die Bedingungen an ein "Tiergehege" weniger streng fassen und dadurch den bürokratischen Aufwand verringern können. Selbstverständlich gelten auch auf Länderebene die Mindestanforderungen, auf die wir im nächsten Punkt eingehen. papageien.biz bemüht sich, eventuell abweichende Regelungen der einzelnen Länder zu recherchieren; wir werden die Ergebnisse dann hier veröffentlichen.

Die Mindestanforderungen entsprechend dem Gutachten von 1995:

Dieses "Gutachten der Sachverständigengruppe über die Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien (10. Januar 1995)" wurde im Auftrage des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) erarbeitet. Es ist nicht rechtsverbindlich, sondern soll "Tierhalter, zuständige Behörden und Gerichte bei der Entscheidung unterstützen, ob eine Tierhaltung den Vorschriften des Gesetztes entspricht."

Diesem Gutachten wird gerne nachgesagt, dass es den Artenschutz mit dem Zollstock festlegt. Es formuliert Mindest-Gehegegrössen, z.B. für kleine Sittich-Arten (bis 25 cm Länge) nur 1 qm, für grosse Sitticharten (über 40 cm Länge) auch nur 5 qm für's erste Paar. Selbst für Aras reichen nach diesem Gutachten 10 qm! Diese Anforderungen kann jeder Papageienhalter erfüllen; wer das nicht kann oder will, sollte sowieso besser keine Papageien halten.

Die gesetzlichen Mindestanforderungen an die Haltung von Wildtieren im allgemeinen und hier von Papageien im besonderen werden immer wieder kontrovers diskutiert. In der Tat scheinen uns diese Mindestanforderungen recht willkürlich festgelegt zu sein. Sie beziehen sich bei Vögeln insbesondere auf die Volierengrösse - ein Aspekt, der nicht sonderlich viel darüber aussagt, ob ein Papagei artgerecht gehalten wird. Aber diese gesetzlichen Rahmenbedingungen sind nun mal vorhanden und müssen beachtet werden.

Die gesetzlichen Anforderungen unterliegen z.T. dem Landesrecht und können sich jederzeit ändern. Bitte informieren Sie sich vor der Anschaffung von Papageien deshalb aktuell bei Ihrer zuständigen Behörde, zunächst am besten bei der Unteren Naturschutzbehörde.(sie ist beim Kreis angesiedelt)

Unsere Informationen sind zwar sorgfältig recherchiert, eine Gewähr für ihre Richtigkeit kann der Verfasser jedoch in keinem Fall übernehmen.

So unsinnig dieser "Artenschutz mit dem Zollstock" auch sein mag: Tatsächlich sind die Anforderungen an die Gehegegrösse nicht sonderlich schwierig zu erfüllen: Wer Papageien halten will, die 4-stellige Summen in der Anschaffung kosten, wird ja wohl auch in der Lage sein, ein entsprechendes Gehege zur Verfügung zu stellen.

Die Mindestanforderungen des Gutachtens formulieren übrigens nicht nur die Gehegegrösse, sondern auch einige Pflegeansprüche. Die Pflegehinweise auf papgeien.biz stehen in Übereinstimmung mit dem Gutachten und gehen in der Regel qualitativ darüber hinaus.

Die Gehegegrössen machen wir uns nicht zueigen; der Verfasser geht davon aus, dass die im Gutachten formulierten Anforderungen wirklich absolute Mindestbedingungen sind - ein wirklicher Vogelfreund wird seine Tiere nur in Notsituationen so halten und immer bemüht sein, den Vögeln möglichst gute Lebensbedingungen zu bieten.

Zur Frage der Bedeutung des Fliegens für Papageien lesen Sie bitte hier mehr


Der Verfasser kann keine Rechtsauskünfte geben; Sie dürfen uns aber gerne eine Email an gerlich@netrex.de schicken, die wir im Rahmen des Möglichen auch beantworten werden.

Vielleicht finden Sie eine Antwort auf Ihre Fragen aber auch bei unseren Werbepartnern oder mit Hilfe dieses "Google"-Suchfelds:

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Der Quetzal ist ähnlich bunt, hat aber mit Papageien nichts zu tun

Die Angaben auf dieser WebSite wurden ordentlich recherchiert bzw. beruhen auf eigenen Erfahrungen.
Ein Gewähr für die Richtigkeit der Angaben kann trotzdem nicht übernommen werden.

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